Lux vom Götzenhainer Schafhof

Du bist nicht tot, du wechselst nur die Räume;
Du lebst in uns und wanderst durch unsere Träume.
Trial klasse 2

Lux vom Götzenhainer Schafhof

Mirk of Thurnhof x Tweed vom Thurnhof

Lieber Lux,

alt bist du geworden, sehr alt.

Es ist mir schrecklich schwer gefallen, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Wie immer, so hast du es mir auch diesmal nicht leicht gemacht. Ich hätte dir wahnsinnig gerne noch den warmen Sommer auf unserem Hof gegönnt, aber deine Kraft ging mehr und mehr zu Ende.

Es war das Alter, das deinen einst so starken und stolzen Körper mehr und mehr zerstörte. Ganz sicher war es schwer für uns alle, zu sehen, wie der einstmals so stolze Rüde immer gebrechlicher wurde, aber bis zum letzten Tag hast du uns erwartungsvoll aus wundervollen, treuen Augen angesehen.

Vor langer Zeit war es dein Vater, der mich auf Trials immer wieder fasziniert hat. Wie stolz war ich, als ich einen kleinen Sohn von Mirk erwerben konnte. Und was warst du für ein feiner Hundewelpe. Voller Übermut, schlaksig auf den vieeeeeel zu langen Beinen, die Ohren vieeeeel zu groß für den kleinen Kopf mit der langen Nase, aber immer und zu jedermann voll überschwänglicher Freundlichkeit.

Deine Freude über jeden, der auf den Hof kam, jeden, der dich streichelte und überhaupt jeden, der dich irgendwie beachtete, war wirklich enorm. Du hättest wirklich voll innerer Überzeugung jedem Einbrecher einen Strauß Blumen überreicht, wenn du die Gelegenheit gehabt hättest.

Ganz anders warst du bei der Arbeit an den Schafen. Ein derartig keener Draufgänger, extrem fest entschlossen und wahrlich nicht der einfachste Arbeiter. Oft habe ich mich gefragt, wie ich diesen Hund meistern soll, oft sind wir punktlos vom Trialfeld gestolpert, oft habe ich mich über dich geärgert.

Nein, für die feine Arbeit auf dem Trial warst du nicht geschaffen, zumindest nicht mit mir am anderen Ende der Leine.

Aber zuhause wollte ich dich nicht missen. Keiner meiner Hunde hat es jemals wieder so überzeugend geschafft, die alten Blackfaceböcke in den Hänger zu schieben. Du hattest eine umwerfende Ausstrahlung bei der Arbeit, du warst hart und zäh und hast die Schafe deutlich wissen lassen, wohin sie sich zu bewegen haben. Du warst wirklich eine atemberaubende Erscheinung. Leider eben mitunter etwas schwer zu lenken.

Ich denke heute, vielleicht haben sich unsere Wege zu früh gekreuzt. Vielleicht hätte ich selber erst noch mehr lernen müssen, bevor ich einen Hund wie dich hätte erfolgreicher führen können.

So oder so, es war eine wundervolle und sehr lehrreiche Zeit, die wir zusammen hatten.

Viel zu schnell ging sie zu Ende. Arthrosen peinigten deine alten Knochen, dein Fell wurde immer stumpfer, dein Gang schwerer. Immer öfter ging dein Blick ins Leere.

Ich habe auf ein Zeichen von dir gewartet, irgendwas, was mir klar und deutlich signalisiert hätte, dass du bereit bist. Ohne Erfolg, jeden Tag aufs neue hast du mit deinem treuen Blick die Geschehnisse auf dem Hof verfolgt und dich in deiner ureigenen Art über jede Form der Zuneigung gefreut.

An einem warmen und sonnigen Frühlingstag habe ich dann beschlossen, dich gehen zu lassen, ich hoffe, dass diese Entscheidung richtig war.

Und wieder hast du dich so sehr über die Tierärztin gefreut, es kam mir vor, als wärst du mit einem Lächeln in meinen Armen eingeschlafen.

Lieber Lux, ich danke dir für wundervolle Jahre. Wir alle werden dich schrecklich vermissen.

Machs gut Lux, und vielen Dank für die schöne Zeit.

Luxs

Erfolge